HUBER.HUBER

Copyright 2017

Land of Plenty 2011
Michael Bucher & huber.huber

HD ca. 40 min, Auflage 5 + 2 EA
DVD inklusive Lamdaprint 18 x 12 cm signiert und nummeriert

Über einer Wasserfläche kreisen Raubvögel. Immer wieder stürzen sie sich runter, schnappen was und fliegen weg. Die Wolken zeichnen wunderbare Bilder auf der Wasserobefläche, stimmig untermalt mit eigens hergestelltem Sound von Michael Bucher. Bei längerem Hinsehen entpuppt sich die vermeintliche Bilderbuchidylle als technoides Kläranlagenbecken, die Zivilisation zerstört unvermittelt den “Locus Amoenus“, ja, Ekel macht sich gar breit, fischen die Vögel doch wortwörtlich “im Trüben“. Ein typisches Werk von huber.huber, in welchem die Ambivalenz von Natur und Kultur geschickt auf den Punkt gebracht wird. (Berhard Bischoff)

huber.huber & Michael Bucher, Land of Plenty (2011)
Video HD, Ton (Stereo), 1-Kanal, ca. 40, Loop, Bildformat 16:9

Wir blicken auf den Ausschnitt eines Beckens einer Kläranlage. Im trüben Wasser spiegeln sich der Himmel mit den Wolken, angrenzende Bäume, der Schieberarm und der erhöhte Beckenrand. Der Beckenausschnitt füllt beinahe das Bildformat. Die Kamereinstellung verändert sich im Verlaufe der vierzigminütigen Arbeit nicht. Es gibt keinen Schnitt. Die Bilder sind in Echtzeit und ohne künstliches Licht aufgenommen. Der Schieberarm mit halbem Durchmesser dreht sich langsam um die Mittelachse der Anlage im Uhrzeigersinn um eine Vierteldrehung. Die Bewegung ist kaum wahrzunehmen. Am Rand beim Schieber beginnt sich, ein heller Flecken fast unmerklich auszubreiten. Der Klärmechanismus ist im Gang. Die Wasseroberfläche und die Lichtverhältnisse verändern sich durch das wechselhafte Wetter fortdauernd. Es erscheinen immer wieder neu gespiegelte Wolkenbilder auf der Oberfläche. Zur Szenerie gehören auch Vögel – mehrheitlich Milane, die mal alleine, mal im Schwarm kreisen, sturzflugartig im Becken nach Stücken fischen und mit der Beute wegfliegen.

Land of Plenty funktioniert durch eine subtile spannungsvolle Dramaturgie von Stillstand und unaufhaltsamer langsamer kreisförmiger Dynamik. Das Visuelle ist mit einer atmosphärischen Tonspur verschränkt von Michael Bucher mit improvisierten verzerrten Klängen einer elektrischen Gitarre. Die Fokussierung auf das Rund der Kläranlage, die Intensität und das kontemplative Tempo der Arbeit laden das Publikum ein zur genauen Beobachtung und Reflexion. Die Arbeit lässt Raum für Gedanken und Assoziationen im Spannungsfeld von hoch technologisierter Zivilisation und fragiler Natur – die Kläranlage als paradoxes Sinnbild für die Erhaltung und gleichzeitige Zerstörung der Natur?

Bruno Zgraggen / Video Window 2013
Imagination & Urban Space
Video in Contemporary Art #9