HUBER.HUBER

Copyright 2020 / 2021
huber.huber and the authors

Odyssee
Kunsthaus Zofingen, General-Guisan-Strasse 12, 4800 Zofingen CH

Die Grundlage jeglichen Lebens: Wasser

Was spielt der Mensch für eine Rolle in Bezug auf Wassermangel in einer im Überfluss lebenden Gesellschaft? Vom 14. November 2020 bis zum 21. März 2021 findet im Kunsthaus Zofingen eine Ausstellung der Künstler huber.huber statt, die sich mit dieser Thematik beschäftigt.

Mit dem Versprechen «PURE LIFE BEGINS NOW» werden die Besucher*innen empfangen. Kalt und steril leuchtet der Werbeslogan der Firma Nestlé, mit dem der weltweit agierende Konzern sein in Flaschen abgefülltes Wasser vermarktet, als Neon-Schriftzug von der weissen Wand und bildet den Auftakt zur Ausstellung Odyssee. Wasser ist Grundlage jeglichen Lebens, der Zugang zu sauberem Wasser in den Menschenrechten verankert. Um Wasser wird gekämpft, es wird vermarktet und verkauft. Die Kraft des Wassers ist unumstritten gigantisch. Ein Zuviel oder Zuwenig führt zum Kollaps.

Das Künstlerduo huber.huber (Markus und Reto Huber) untersucht mit seinen raumgreifenden Installationen und einer klaren formalen Sprache auf unterschiedliche Art und Weise die Rolle des Menschen in seinem Umgang mit den immer knapper werdenden Wasserressourcen. Hierfür stellen die Künstler weltliche Versprechungen den biblischen gegenüber und nehmen mit filmischen Zitaten aus dem Filmklassiker «2001: A Space Odyssey» (1968) von Stanley Kubrick Bezug auf diese Situation.

Fotografien von staubigen Pflanzen und einer Altarsituation, in der die Menschen Wasser als Opfer darbringen, bilden zusammen mit Wasserflaschen eine installative Szenerie. Die Flaschen sind sorgsam mit weisser Schnur umspannt und mit Karabiner versehen, als stünden sie für den Transport bereit. Neben anderen Risiken gefährdet der Klimawandel die globale Wasserversorgung.

Diese Objekte und Skulpturen aus Wasserflaschen werfen die Frage nach dem Recht auf Trinkwasser auf, weisen aber auch auf einen möglichen Stillstand der Entwicklung oder gar eine Dystopie hin, in der Wasser von weither transportiert werden muss.

Versöhnlicher sind die vielen Regenbögen, die aus der Wasserbrechung des Lichtes erzeugt werden. 12 Regenbogenmaschinen bilden an den Wänden in einer raumfüllenden Installation 48 Regenbögen. Bei der kleinsten Erschütterung durch die Besucher*innen geraten die Bögen in Bewegung und beginnen zu verblassen. Wir werden zur Vorsicht gemahnt, damit die Regenbögen möglichst lange sichtbar bleiben. Das Farbenspiel erinnert an das biblische Zeichen für das göttliche Versprechen, dass die Sintflut das Leben auf der Erde nie mehr auslöschen wird, wenn wir Menschen mit der Natur besonnen umgehen.

Die Eingangsszenerie des Films «2001: A Space Odyssey», in der Urmenschen mit Waffen bis zum Tod um Wasser kämpfen, bildet im Obergeschoss das Zentrum der Ausstellung. Im Vorraum zum prunkvollen Tanzsaal schwebt ein weisser Knochen aus Keramik an einem durchsichtigen Faden über den Köpfen. Er kann als Vanitassymbol gedeutet werden, verweist hier aber als «Zitat» auf den Filmklassiker «2001: A Space Odyssey» von Stanley Kubrick. Im Filmkapitel «Aufbruch der Menschheit» (The Dawn of Man) wird das erste Mal in der Evolutionsgeschichte im Streit um eine Wasserstelle von den Vormenschen ein Knochen als mörderische Waffe eingesetzt. Der Knochen wird im Film nach der Tat in die Luft geschleudert und landet hier nun als Objekt in der gleichnamigen Ausstellung «Odyssee» des Künstlerduos.

Ein schwarzer Monolith trug bei den Vormenschen zu einer Bewusstseinsveränderung und einer rasanten Entwicklung bei. Dieser Evolutionsschritt löste den mörderischen Kampf ums Wasser aus. Der Monolith steht hier nicht an der besagten Wasserstelle, sondern mitten im Prunksaal des Kunsthauses. Der Monolith von huber.huber in den selben Seitenverhältnissen wie im Film ist hier nicht schwarz, sondern durchsichtig. Dieser «skulpturale» Brunnen füllt sich langsam mit Wassernebel, der sich an den Innenwänden zu Tropfen formt, die ab und an tränengleich herabfliessen.

Um den Monolithen stehen verschiedene Vehikel, alle bepackt mit befüllten Wasserflaschen.

Kuratorin Claudia Waldner

VernissageTV 3.2021
huber.huber: Odyssee / Einzelausstellung im Kunsthaus Zofingen

arttv 11.2020
Kunsthaus Zofingen | Odyssee huber.huber

Kunsthaus Zofingen #analogdigital 3.2021
Musik: SEDIMENT Solo Simon Berz,
Gespräch: Daniel Morgenthaler (Kurator Helmhaus Zürich) mit dem Künstlerduo huber.huber über die Verbindung ihrer Arbeit zum Filmklassiker von Stanley Kubrick.
Eintritt: Frei

Der Knochen. Der Monolith. Der entstehende Kampf des Menschen um die Vorherrschaft des Wassers. Welches sind die Schlüsselstellen und Parallelen im Bezug auf das neue Werk von huber.huber und dem Filmklassiker „2001: A Space Odyssee“ von Stanley Kubrick? Der Gesprächsleiter Daniel Morgenthaler, hat sich mit dem Werk von huber.huber immer wieder auseinandergesetzt. „Meteorit fiel auf Mauerblümchen“, hiess der Beitrag den er 2008 für das Kunstbulletin, über die beiden Künstlerbrüder verfasste. Hier untersuchte er gezielt das Phänomen des Filmgenres und die Einschaltquoten und setzte filmische Zitate immer wieder in Bezug zur damaligen Einzelausstellung der beiden Künstler im Kunsthaus Glarus. Nun wird er in einer offenen Diskussion mit Markus und Reto Huber, sowie den anwesenden Gästen, über die Parallelen zum neuen Werk und den Film „2001: A Space Odyssee“ von Stanley Kubrick sprechen. Die künstlerische Sprache von huber.huber vereint Poesie mit dem physikalische Phänomen, sowohl in den filmischen Special-Effekts, als auch in der installativen Anordnung. In dem gemeinsamen Austausch können Denkweisen und Hintergründe verdeutlicht werden, die das Aufeinandertreffen von Fiktion und Realität sichtbar machen.

Im Anschluss an das Gespräch hören wir eine musikalische Kombination mit Stein von Simon Berz. Der Aargauer Schlagzeuger und Klangkünstler setzt sich seit längerem mit experimenteller und improvisierter Musik, in der Klangkunst auseinander. In neuen Aufführungsformen, beweist er immer wieder Innovation, Interaktion und Partizipation, ausgehend von improvisierter Musik bildet er Brücken zu Kunst,Tanz und Film. Neben der Entwicklung einer eigenen rhythmischen und klanglichen Sprache, mittels des elektroakustisch manipulierten Schlagzeugs «Rocking Desk», entwickelte Simon Berz das «Lithophon». Klingende Steine, die er elektronisch verstärkt und verfremdet, wobei die Klänge durch Tropfen aus Infusionsbeuteln oder durch diverse Schlagwerke erzeugt werden. Je mehr er mit verschiedenen Steinen in unterschiedlichster Weise arbeitet, sagt Simon Berz, desto klangvoller und lebendiger erschliesst sich ihm diese „tote“ Materie. Hierbei bleibt die Bewegung der Materie für ihn jeweils wie eine Metamorphose aus dem Inbegriff des Gesetzten, des Festgeschriebenen hinüber in eine andere erfahrbare Schönheit. Diese Schönheit besteht für ihn aus der Optik, Haptik und vielfältiger Schwingung.

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