HUBER.HUBER

Copyright 2016

huber.huber

versprochen ist versprochen
Kunsthalle Arbon

kuratiert von Deborah Keller

Die Brüder Markus und Reto Huber (*1975, Münsterlingen, leben in Zürich) alias huber.huber sind bekannt für ihre Zeichnungen, Collagen, Videos und Objekte, mit denen sie oftmals einen fragenden Blick auf Evolutions-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte werfen. In ihrer neuen Gesamtinstallation für die Kunsthalle Arbon führen sie unter diesen Vorzeichen gekonnt minimalistische Formästhetik und traditionelle Symbolsprache zusammen. Verheissungsvoll steht über dieser Synthese der Ausstellungstitel versprochen ist versprochen.

Sieben unterschiedlich gefärbte, quadratische Glasplatten sind im Zentrum der Halle parallel hintereinander von der Decke abgehängt. Als Ensemble betrachtet bilden die Farben von Das Versprechen (2016) einen Regenbogen ab – dieses betörend schöne Naturphänomen, das von jeher und bis heute in zahlreichen Mythologien und Religionen weltweit als symbolisches Bindeglied zwischen Himmel und Erde gilt. Eine entscheidende Stelle aus der christlichen Bibel stand für die titelgebende Installation von huber.hubers Ausstellung besonders im Fokus: Gott hatte Noah nach der Sintflut einen Regenbogen geschickt, um sein Gelöbnis zu bekräftigen, dass er die Schöpfung nie mehr ganzheitlich vernichten würde. Allerdings verdichtet sich das versöhnliche Sinnbild bei huber.huber nun zu einem «schwarzen Loch», wenn man an einem Ende der Reihung in die schwebenden Gläser hineinblickt. Mit dieser «düsteren Aussicht» und vor dem Hintergrund der zahlreichen Kriege und Naturkatastrophen, die den Erdball unermüdlich erschüttern, klingt der Ausstellungstitel plötzlich weniger nach Erfüllung, sondern vielmehr nach einer mahnenden Erinnerung an eine allfällig höhere Macht, die das Geschick der Menschheit lenkt.

Reflexe des Regenbogens finden sich je nach Lichteinfall auch in den drei dunkel glänzenden Steinen Ohne Titel (2016), die auf dem Hallenboden verteilt sind. Ihre glatte und schimmernde Oberfläche ist visuell und haptisch besonders reizvoll und täuscht beinahe darüber hinweg, dass sich darunter ein rohes, hartes und natürliches Material befindet. Mit Autolack, besprüht erinnern die zur Skulptur gewandelten Gesteinsbrocken an die Gegensatzpaare Natur/Kultur und Natur/Technik und an gesteigerte Formen des Objekt- und Imagekults.

Solchem steht in der Ausstellung ganz im Sinne der kunsthistorischen Vanitas-Darstellungen die Endlichkeit alles Seienden gegenüber. Gleich am Eingang der Halle wird das Publikum von der statischen Grossaufnahme eines Schmetterlings begrüsst. Wo immer das grazil schöne Insekt in der Kunst seit der Antike auftaucht, zeigt es metaphorisch das Werden, Vergehen und Auferstehen an. Bei huber.huber wird es nun in der rund zweistündigen Videoarbeit Metamorphose zum Nichts (2013) in Säure eingelegt, sodass der anfänglich grün-schwarz schillernde Falter mit all seinen Bedeutungen langsam aber sicher komplett aufgelöst wird und verschwindet.

An einer Wand im Raum hängt schliesslich die Arbeit Prozess des Verschwindens (2016), eine Glasscheibe, die mit einem fein nuancierten Farbverlauf von schwarz zu weiss hinterlegt ist. Im schwarzen Bereich ergibt sich so der Effekt eines Spiegels – ein weiteres traditionelles Vanitas-Requisit –, während das eigene Abbild allmählich schwächer wird und schliesslich fast ganz verschwindet, je mehr man sich dem weiss getönten Ende der Platte nähert. Was zuvor am Bild des Schmetterlings vorgeführt wurde,kann das Publikum nun quasi am eigenen Leibe erfahren.

Ein zarter Bodennebel, der sich in der gesamten Halle ausbreitet, demonstriert zudem auf ganz konkrete Weise die Flüchtigkeit aller Substanz und verbindet die unterschiedlichen Elemente miteinander.

So spinnen huber.huber in der Kunsthalle Arbon eine eindrückliche Narration, die von den göttlichen und den irdischen Versprechungen handelt, von Sein und Schein und von der eigenen Vergänglichkeit.

Deborah Keller

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