HUBER.HUBER

Copyright 2020 / 2021
huber.huber and the authors

Energy - oder das verlorene Paradies
Johanneskirche, Limmatstrasse 112, 8005 Zürich

Installation von huber.huber

Öffnungszeiten: Werktags jeweils von 9 bis 17 Uhr
FINISSAGE Mittwoch 9. Juni 2021, ab 18 Uhr

Unter dem Namen huber.huber arbeiten die Brüder Markus und Reto Huber (* 1975) seit 2005 künstlerisch zusammen. Mit ihren Arbeiten, die in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt werden, machten sie seither auf sich aufmerksam und erhielten diverse Preise und Auszeichnungen.
Themen, die in ihrem Schaffen immer wieder kehren, sind Angst und Hoffnung, Glaube und Aberglaube, Gewalt und Frieden, Natur und Zivilisation. „Wir suchen nicht den lauten, schnellen Effekt. Was uns selber in der Kunst als Qualität überzeugt, ist etwas nicht auf den ersten Blick Sichtbares, das einen berührt, etwas auslöst und zum Nachdenken anregt. … Unsere Arbeit ist und soll nicht schwermu?tig sein, vor allem nicht moralisierend – sie kommt manchmal geradezu leicht und verspielt daher, so dass sich hinter der vermeintlichen Idylle der Abgrund auftut. Humor ist in unserer Arbeit wichtig – nie aber ist das Werk zynisch oder einfach nur laut oder martialisch.“

Mit huber.huber beginnt eine Reihe, in der KünstlerInnen angefragt werden, jeweils für ein halbes Jahr die Johanneskirche mit zeitgenössischer Kunst zu bespielen. Verschiedene Gottesdienste und Vespern laden ein, das Werk Energy – oder dasverlorene Paradies zu entdecken.

Energy – oder
Das verlorene Paradies

Dort, wo sonst die Kanzel vor einer weissen Wand steht, blicken wir auf ein Bild. Die Fotografie nimmt die gesamte Wandfläche ein. Badende Menschen in einer Lagune. Ferienstimmung, Entspannung. Die Seele baumeln lassen. Oder sind es doch schon zu viele Menschen auf engem Raum? Wie gemütlich ist es da wirklich?

Das Wasser leuchtet türkis, die grünen Büsche und Bäume gliedern das Bild in zwei horizontale Teile. Es gibt kein zentrales Motiv. Wie in einem Wimmelbild geschehen viele Dinge gleichzeitig. Eine Frau posiert für ein Foto, ein Mann hält sein Kind auf dem Arm, dahinter steigt jemand aus dem Wasser, woanders sitzt eine Gruppe im Kreis und unterhält sich. Die Komposition erinnert mit der Fülle an Figuren an ein Gemälde aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Die Fotografie ist aber 2019 entstanden – darauf deuten nicht zuletzt die vielen Handys, die überall auf dem Bild zu erkennen sind.

Vor der Bildwand steht ein Podest, weiss und schlicht. Darauf - schwebend - eine grüne Dose. Es ist ein Energydrink, der mit dem Geschmack grüner Äpfel wirbt. Die Dose schwebt tatsächlich. Es ist kein fauler Trick, sondern ein eingebautes Magnetfeld, das diesen Effekt bewirkt.
Die schlicht gestaltete Dose wird präsentiert, als wäre sie besonders wertvoll. Dabei kann man den selben Energydrink fünfzig Meter weiter am Kiosk Limmatplatz kaufen. Liegt das Glück so nah?
Der Energydrink, das Bad in der Lagune – beides verspricht uns neue Energie, eine Pause vom Alltag. Dasselbe verspricht uns auch die Kirche, in der wir uns befinden. Von der Mitte des Raums aus betrachtet ist das Taufbecken vorne auf einer Höhe mit der Lagune, während die Bäume auf der Fotografie über die Empore in die Orgel und dann ins dunkle Dachgebälk zu wachsen scheinen.

Verändert sich der Kirchenraum, wenn darin ein derart grosses Bild ausgestellt wird? Verändert sich das Kunstwerk, weil wir es in einer Kirche sehen? Und wie stehen die beiden Werke, Bild und Skulptur, zueinander in Beziehung?

Die Kombination der beiden Werke ist typisch für die Arbeitsweise der Künstler huber.huber, die mit diversen künstlerischen und physikalischen Mitteln arbeiten. Ihre Themenwahl reicht von A wie Abfall zu Z wie Zoo. Dabei interessieren sie sich für die jeweils spezifischen Eigenschaften vom Material mit dem sie arbeiten. Was kann Fotografie, was eine Skulptur nicht kann? Was kann eine Skulptur in Verbindung mit Magnetismus? Oft verknüpfen sich verschiedene Themen und Ebenen miteinander und sind erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennbar.

Die Brüder Reto Huber und Markus Huber (*1975) treten seit 2005 gemeinsam unter dem Namen huber.huber auf. Ihr vielschichtiges und konzeptuelles Werk wird kontinuierlich in Einzel- und Gruppenausstellungen in verschiedenen Galerien und Kunstinstitutionen im In- und Ausland gezeigt. 2020 erhielten huber.huber den Förderbeitrag des Kantons Thurgau. Vom 14. November 2020 bis 14. Februar 2021 ist im Kunsthaus Zofingen ihre Einzelausstellung «Odyssee» zu sehen.
Mit huber.huber beginnt eine Reihe, in der KünstlerInnen angefragt werden, jeweils für ein halbes Jahr die Johanneskirche mit zeitgenössischer Kunst zu bespielen. Verschiedene Gottesdienste und Vespern laden ein, das Werk Energy – oder das verlorene Paradies immer wieder neu zu entdecken.

Rebecka Domig

Rebecka Domig ist Kunsthistorikerin und arbeitet als Ausstellungsmanagerin an der Kunsthalle Zürich. Sie kann Energydrinks nicht ausstehen, findet aber, dass eine gute Tasse Kaffee dem Himmel auf Erden nahekommt.

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