HUBER.HUBER

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Anthroposphere
NEXTEX, Blumenbergplatz 3, 9000 St. Gallen / http://www.nextex.ch

Fr. 12.12. 2014 bis Di 13.1. 2015

Karin Karinna Bühler, Raphael Egli, huber.huber, Valentina Stieger
Kuratorin: Céline Gaillard

Anthropos – Mensch – und sfära – Kugel; in diese Glieder lässt sich der Ausstellungstitel griechischen Ursprungs aufschlüsseln. Anthroposphäre ist der vom Menschen geschaffene Lebensraum, in welchem er sich aufhält und agiert. Der Begriff bezeichnet ein System, in dem die vom Menschen erschaffenen technischen und biologischen Prozesse ablaufen, und damit einen Teil der Biosphäre der Erde. Häufig wird er auf Agrar- oder Stadtlandschaften angewendet, um die durch Menschen beeinflussten oder verursachten Folgen zu beschreiben, oder auf den Stoffhaushalt, der durch die ständig wachsende Bevölkerung an die Grenzen gerät. Das Feld wird von Umweltforschern und anderen Naturwissenschaftlern erforscht.
Die Gruppenschau zum Jahresende kreist um den Menschen als Protagonisten in der Anthroposphäre, fragt aber auch nach dem Stellenwert, den die Umgebung und Mitlebende einnehmen. Wie bilden und definieren wir unseren Lebensraum, in welchem Rahmen, welchen Dimensionen bewegen wir uns? Und nicht zuletzt: Mit welchen Zeichen besetzen wir und erheben wir Anspruch auf Raum?

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Das Innen und das Aussen einer Fensterfront werden in den beiden Arbeiten von huber.huber thematisiert. Von einem Fenster ihres Zürcher Ateliers filmte das Künstlerduo das dahinterliegende Klärbecken, das von der Strasse, mit der man gewöhnlich mit dem Tram oder Auto anfährt, nicht sichtbar ist. Das Video zeigt stete Kreisbewegungen fliegender Vögel über dem Becken, deren Flugbewegungen sich auch im Becken wiederspiegeln. Hin und wieder tauchen die Vögel ein und fischen Nahrung aus dem verschmutzten Trübwasser. Die mit dem kreisenden Flug mitschwingende Poesie wird bei längerem Betrachten mit der Erkenntnis, dass es sich um ein Klärbecken handelt, abrupt untergraben. Die Bewunderung kehrt sich in Widerwillen um und ein Schauder läuft über den Rücken. Die wechselhaften Wolkensituationen bewirken Veränderungen auf der Wasseroberfläche und der Lichtverhältnisse. Das in Echtzeit aufgenommene, etwa 40 minütige Video ändert die Perspektive nicht, der Schieberarm dreht sich allerdings fast unmerklich um eine Vierteldrehung um die Mittelachse. Die langsame kreisförmige Dynamik, die sich fast am Stillstand orientiert und der von Michael Bucher mit einer E-Gitarre improvisierte Ton bewirken eine spannungsvolle Dramaturgie. Die Kläranlage wird zum ambivalenten Sinnbild der Wechselwirkung von Natur und Kultur: «Land of Plenty» zeigt ein Erzeugnis der technologisierten Gesellschaft, das Natur gleichzeitig erhält und zerstört. Nur einmal erscheinen im Hintergrund hinter der Kläranlage, die fast das ganze Bildformat ausfüllt, vorbeilaufende Menschen.
In den Arbeiten der in Münstleringen geborenen Zwillinge zeigt sich hinter der poetischen Oberfläche stets eine Brisanz der Themen, bei der Skurrilität und Bedrohung leise mitschwingen. Häufig ist es die Korrelation von Mensch und Natur, die das Künstlerduo fasziniert und umtreibt. Mit Ambivalenz werden surreale Zusammenhänge kreiert, welche die Emotionen und Ängste unserer Kultur meist erst auf den zweiten, dafür umso einnehmenderen Blick, auf eine sensible Art und Weise treffen.
Dies geschieht auch bei der Betrachtung der in ihrer Dynamik beeindruckenden Werkgruppe «Lebensraum Atelier». Eine Auswahl der Tuschezeichnungen wird in unmittelbarer Fensternähe präsentiert. Die Insekten haben huber.huber tot auf der Fensterbank ihres Ateliers vorgefunden – sie sind in die Falle der menschlichen Absteckung und Inbesitznahme des Lebensraumes getreten. Die akribisch dokumentierten konservierten leblosen Überreste führen hinter der vermeintlichen Ästhetik die Fragilität und organische Vergänglichkeit der Tierchen vor Augen.

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Céline Gaillard

(Foto I Installationsansicht "Lebensraum Atelier": Stefan Rohner Nextex)

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