HUBER.HUBER

Copyright 2017

AM ORT
Kunst und Musik im öffentlichen Raum Chur

Art-Public Chur, Kurator Luciano Fasciati

Eröffnung 28. Mai, 14h
Bahnhofslatz Chur, Bushaltestelle 9

Evelina Cajacob, Fröhlicher/Bietenhader, Michael Günzburger, Norbert Möslang, Bob Gramsma,huber.huber, Kappeler/Zumtor, Barbara Signer/Michael Bodenmann, Luca Eisera’s Convoy, Roman Singer

huber.huber
«Vogelhäuser», 2016

Abfall, 40 Stück, Masse variabel
Standort: Karlihofplatz/Altstadt/Bahnhofstrasse

Die vierzig Vogelhäuser, die das Künstlerduo Markus und Reto Huber aus Fundmaterialien zusammengebaut und ausgehend vom Karlihofplatz in der Churer Innenstadt verteilt hat, sollen gefiederte Stadtbewohner anlocken. Natürliche Nistplätze sind rar geworden im urbanen Raum. Den menschlichen Unterkünften nachempfunden, sind Vogelhäuschen Architekturen in kleinem Massstab und stehen in der Tradition von Einfamilienhäusern. Vogelhäuser sind aber auch Metaphern. Sie stehen für die Urhütte, jenes viel beschworene Konstrukt, das in Architekturtraktaten seit der Antike aufgegriffen wird.

Behausungen der einfachen Art sind auch die Vogelhäuschen von huber.huber. Sie entstehen im Rahmen eines Langzeit-Kunstprojekts, das nach Zürich (2005), New York (2007), Glarus (2008) und Rapperswil (2010) nun im Rahmen von «Am Ort» in Chur Station macht. Die Idee zum ursprünglichen Projekt in Zürich beruht auf einer Beobachtung der Künstler, dass Vogelfreunde Nistkästen aus neuen, soliden Rohstoffen kaufen, obwohl recyclebares Material ausreichend zur Verfügung stünde. Dieses Konzept führten huber.huber im New Yorker Folgeprojekt «Hidden Track» für das Swiss Institute weiter. Die brauchbaren Abfälle im «Big Apple» finden dort – anders als in der Schweiz – durchaus Verwendung als Unterstände der New Yorker Obdachlosen. Fast hundert Vogelhäuser sind nach dem Vorbild dieser notdürftigen Quartiere entstanden in Manhattan. Auch in Chur sammeln die Künstler den Abfall und zimmern individuelle, temporäre Vogelbehausungen aus bunten Holzscheiten, Leisten von Marktkisten, Türgriffen, Möbelteilen und – hier und dort – einem Stück Plastik.

Die Botschaft von huber.huber ist vordergründig ökologisch und behandelt zunächst das ambivalente Verhältnis zwischen Zivilisation und der Natur, die vom Menschen systematisch vereinnahmt wird. Bei eingehenderer Betrachtung öffnet sich in der Arbeit «Vogelhäuser» eine zweite Ebene, die auch anthropologische Themen und gesellschaftspolitische Subtexte transportiert. Im New Yorker Kontext mag es sich noch um einen zynischen Kommentar auf die Gentrifizierung eines Stadtviertels handeln. In Chur schwingt bereits eine Anspielung auf die in ihrer Dramatik beispiellose Entwicklung der Gegenwart mit – die prekäre Wohnsituation oder die Obdachlosigkeit von Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt.

(Fotos: Art Public, Ralph Feiner, huber.huber)

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