HUBER.HUBER

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MIT HUBER.HUBER ZU TISCH Kunstfreunde Zürich

Die Kunstfreunde Zürich besuchten das Atelier des Künstlerduos huber.huber.
Ein Bericht von Kunsthistorikerin Maria Larsson.

Zwischen den beiden hohen, alten Fenstern hängt ein imposantes Geweih an der Wand, wahrscheinlich ein Hirsch. Es muss einmal eine stolze Jagdtrophäe gewesen sein, die jetzt über und über mit Kerzenwachs begossen, ein neues Leben als Kandelaber gefunden hat. Natur, Kultur und Kunst vereinen sich hier – wie in so vielen Objekten in diesem Raum – zu etwas Neuem. Das Zimmer ist voller kurioser Sammlerstücke. Eine Vitrine quillt über vor Reliquien und Figurinen. Wunderschöne kleine Collagen alter Bilder hängen an den Wänden und leuchtende, monochrome Malereien hinter Glas, mit
Achatscheiben bestückt, verströmen ein raffiniertes Gefühl für Farbe und Kraft. Wir sind mitten in der Welt der Zwillingsbrüder Reto und Markus Huber an der Bändlistrasse 88 angekommen.

Darstellbarkeit kollektiver Identität

Es ist ein regnerischer Mittwochabend in Zürich und etwa 30 Zürcher Kunstfreunde haben sich im Atelier eingefunden, um mehr über die Kunst von huber.huber zu erfahren. Das Kunsthaus Zürich hat bereits vor Jahren ein wichtiges Werk der Künstler angekauft: eine Serie von 50 Zeichnungen der US-Flagge „white flags, erased flags“ welche in Zusammenhang mit der Ausstellung „Shifting Identities“ interessante Fragen der Darstellbarkeit kollektiver Identität aufwarf. Nun sind wir gekommen, um mit eigenen Augen und Ohren zu erfahren, was die beiden Künstler in ihrer Arbeit umtreibt und was ihre Kunst im Innern zusammenhält. Ihre Kunst existiert nur zu zweit. Alle Arbeiten, die vor der Gründung des Kollektivs huber.huber in Eigenregie produziert wurden, haben sie zerstört.

Zu Tisch

Die zwei Brüder haben in ihrem früheren Leben auch beide einmal eine Kochlehre absolviert. Weil wir den Abend zusammen verbringen möchten, und der Austausch länger und tiefer ausfallen soll als ein kurzes Kommen und Gehen, werden wir an zwei grossen Tafeln speisen. Mit viel Liebe fürs Detail sind diese in der Mitte des Raumes für uns aufgestellt. Bei Kürbissuppe mit einem Klecks Mangosorbet, Steinpilzpasta und einer grossen Früchte- und Mousse-Kreation lassen wir
dann auch den Abend bei anregenden Gesprächen ausklingen.

Wie viel wiegt eine Seele?

Doch bevor wir uns hinsetzen, werden wir noch in Zweiergruppen losgeschickt, um durch das mehrräumige Atelier zu schlendern und uns jeweils ein Lieblingskunstwerk auszusuchen und es mitzunehmen. Gemeinsam wird dieses dann besprochen. Ich verliere mich in einem Raum mit einer ausgestopften Schlange, die sich in einer Krawatte windet. In Regalen stehen Vögel, ein Eichhörnchen und ein leicht madenstichiges Rehkitz. Allesamt stammen sie aus den vielen naturhistorischen Sammlungen, welche die Zwillingsbrüder durchstöbern und als Fundus für ihre künstlerischen Ideen verwenden. Viele ihrer Objekte waren einmal Teil eines didaktischen Ganzen, das darauf ausgerichtet war, die Natur für das Menschenauge aufzubereiten und zu verewigen. Auch der grüne Schmetterling mit den Totenköpfen, die mit einem Speziallaser auf die beiden Flügel gebrannt wurden, zeugt von Vergänglichkeit. 21 Gramm, das Gewicht, das ein Mensch nach seinem Ableben verliert, gilt seit jeher als Gewicht der Seele. Ich wähle eine kleine schwarz-weisse Collage mit Bildern von Händen. Salz, genauer gesagt Himalayasalz, das dem menschlichen Körper an Mineralien am nächsten kommen
soll, bildet die obere Kruste des Bildes. Klein und delikat, wird es neben den Achatbildern und den lackierten Steinen zu meinem Lieblingswerk.

Schein oder Sein

Gerade diese groben, unscheinbaren Steine, welche die Natur den Menschen vor die Füsse gelegt hat, erhalten im Westen kaum spezielle Würdigung. huber.huber haben sich ihrer angenommen und sie mit teurem, regenbogenschimmernden Autolack überzogen. Von weitem könnte man sie für leicht deformierte Luxusobjekte halten. Und doch sind es nur Steine. Aber sie beinhalten so vieles, was die Kunst der Brüder ausmacht: Fragen nach der Oberfläche und Tiefe der Dinge, Schein oder Sein und der Wunsch nach einer fast schon mystischen Auseinandersetzung mit der Natur und unserer Rolle in ihr.

Der Abend schreitet voran, die Gespräche werden intensiver, Gelächter und klirrende Gläser, mittendrin eine Hantel, geschliffen wie ein Diamant. Den Abschluss unserer Fragerunde macht eine Bemerkung zu den aus Restholz zusammengezimmerten Vogelhäuschen, die wie die Hütten einer Favela oberhalb des Türrahmens hängen. Es gibt dazu eine interessante Geschichte aus New York… Aber diese werden Sie bei Ihrem Besuch selber herausfinden müssen.

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